Präzision und Patente

Fachzeitschrift: Flugblatt, Stuttgarter Flughafenmagazin
Ausgabe: Dezember 2017 / Januar 2018
Interviewpartner: Sylvia Rall, kaufmännische Geschäftsführerin

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Präzision und Patente

 

Rund drei Millionen Teile sind in einem Flugzeug verbaut. Jedes einzelne muss leicht und sicher sein – eine echte Herausforderung für Firmen, die an der Herstellung beteiligt sind. Und viele von ihnen setzen bei der Herstellung auf Spannlösungen von Hainbuch aus Marbach am Neckar.

»Vor mehr als 65 Jahren entstand unser Unternehmen in einer Garage«, sagt Geschäftsführerin Sylvia Rall, Enkelin des Gründers Wilhelm Hainbuch. »Das haben wir mit vielen großen Firmen gemeinsam.« Wichtiger sei jedoch, was danach passierte: Über 150 Patente gehen mittlerweile auf das Konto des Marbacher Mittelständlers. Lange experimentiert haben die Ingenieure auch mit Leichtbauwerkstoffen. »Auf dem Gebiet sind wir Trendsetter und haben das erste CFK Futter auf den Markt gebracht«, so Rall. Besonders in der Luftfahrtbranche ist dieses geballte technische Knowhow gefragt.  Bauteile für Flieger sind oft komplex, müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllen und sind aufwendig zu bearbeiten. Da kommt es auf das richtige Spannmittel an. Denn jedes Bauteil ist für Zerspaner eine technische Herausforderung, aufgrund der speziellen Werkstoffe und den Anforderungen bei Präzision und Genauigkeit. Hainbuch stellt die Spannmittel her, mit denen beispielsweise Trieb- und Fahrwerksteile hergestellt werden. Zerspanen, so heißt das Fertigungsverfahren, bei der aus Rohlingen Turbinengetrieberäder oder Hydraulikventilgehäuse entstehen. Beim Fräsen, Drehen oder Schleifen sieht es zwar so aus, als würde sich das Material ganz einfach ändern lassen. Es sind aber enorme Kräfte im Spiel, weshalb die  Auswahl des richtigen Spannmittels so überaus wichtig ist.

Aus der Garage in die Welt

Hainbuch feilt ständig an den verschiedenen  Spannlösungen für das Zerspanen, das hat Tradition. Vor vierzig Jahren entstand dabei die bisher bekannteste Entwicklung. »Unser Spanntop System war 1977 die Revolution, wurde dann Standard in der Branche und wird auch heute noch permanent weiterentwickelt«, sagt Rall. Damit schaffte das Unternehmen den Durchbruch und aus dem kleinen Garagenbetrieb wurde eine Firma, die auf mehreren Kontinenten Standorte betreibt. Neben der Luft- und Raumfahrt kommen Kunden aus vielen verschiedenen Geschäftsfeldern, wie zum Beispiel der Automobilindustrie oder der Medizintechnik. 800 Mitarbeiter beschäftigt Hainbuch weltweit, 500 davon in Deutschland. »Von China über Thailand bis in die USA und Mexiko: Wir haben zwölf internationale Tochterunternehmen, deshalb sind unsere Mitarbeiter oft unterwegs«, sagt Rall. »Da ist es natürlich wunderbar, den Flughafen in der Nachbarschaft zu haben.«

Meilensteine

  • 1951 Firmengründer Wilhelm Hainbuch startet mit Lohndreharbeiten.
  • 1964 erste patentierte Hainbuch Erfindung: eine Schnellspann-Teilevorrichtung
  • 1977 Patentanmeldung der revolutionären Spanntop-Erfindung
  • 1980 Beginn der Internationalisierung
  • 2007 Entwicklung eines intelligenten Spannfutters: Toplus IQ
  • 2012 Verleihung der Wirtschaftsmedaille Baden-Württemberg an Gerhard Rall, geschäftsführender Gesellschafter